Gastbeiträge von liebgewonnenen Menschen | Multiple Sklerose

Ein toller Gastbeitrag von einer ganz lieben Frau, der lieben Cirsten :-)

3. April 2017

Eine neue Premiere erreicht mein Blog meine Lieben, heute werde ich den ersten Gastbeitrag online stellen. Warum erst jetzt? Weil ich niemanden zu Nahe treten wollte. Deshalb meine liebe Cirsten, verzeih mir falls dein Beitrag etwas plump vorgestellt wird. Ich danke dir unendlich, dass du dir die Zeit genommen hast, Deine Geschichte mit uns zu teilen. Lasst euch inspirieren meine Lieben, von einer sehr starken Frau, die stets positiv in die Zukunft schaut und trotz allen Widrigkeiten ihren Humor nicht verloren hat:

 

Meine MS-Geschichte

 

Die liebe Claudia hat mich gefragt, auf ihrem Blog von meiner persönlichen MS-Geschichte zu erzählen und da habe ich gerne zugestimmt.

 

Die Diagnose bekam ich bereits im Juli 2003 im Alter von 28 Jahren, ich bin mittlerweile also quasi eine „erfahrene MS-Oma“.  🙂 Vorab möchte ich sagen, dass ich mit der Tatsache, MS-Krank zu sein, heute ganz gut klarkomme und die Krankheit mit ihren Einschränkungen akzeptiere. Der Weg dorthin war jedoch nicht immer einfach und in den letzten 13 Jahren hat die MS für Schwierigkeiten gesorgt – genau dort, wo ich vorher nie damit gerechnet hätte.

 

„Pünktlich“ zum Abschluss meines Studiums, während der Erstellung meiner Magisterarbeit, begannen die Probleme mit meinen Beinen. Ich bin immer gerne und viel zu Fuß gelaufen und durch meine schweren, tauben Beine nach nicht allzu langer Gehstrecke war ich natürlich stark irritiert und verängstigt. Nach zahlreichen Arztbesuchen und letztendlich den üblichen Untersuchungen wie MRT und Lumbalpunktion stand die Diagnose fest. Multiple Sklerose. Und das laut Befunden schon, seit ich ungefähr 15 war. Ich hatte damals Sehstörungen auf dem linken Auge, die sich relativ rasch von alleine zurückbildeten. Laut Augenarzt bräuchte ich eine Brille, die späteren Untersuchungen zeigten aber, dass es eine Sehnerventzündung war.

 

Die nächste Zeit war schwierig. Die Diagnose verarbeiten, mein Studium beenden und nach einem ersten „richtigen“ Job suchen. Dank des Stresses durch die abschließenden mündlichen Prüfungen sprangen die Probleme vom linken auch auf das rechte Bein über. Bei den Bewerbungen verschwieg ich die Erkrankung, was aufgrund der sichtbaren Gehprobleme sehr schwierig war. Im Konzern, für den auch mein Vater arbeitete, hatte ich ein sehr gutes Jobangebot bekommen. Die Aufgaben waren spannend und interessant und entsprachen genau meinen Interessen und Fähigkeiten. Einziges Problem war mein Chef und mein Kollege, für die die Tatsache, dass ich nicht „ganz rund“ lief, immer mehr zum Problem wurde. Ich „überstand“ die Probezeit, obwohl ich teilweise morgens mit Bauchschmerzen zur Arbeit ging, da der Umgang mit mir immer schlechter wurde. Mein Chef sagte ganz direkt zu mir, dass ich zwar sehr intelligent sei und super arbeiten würde, er aber fände, dass Kranke und/oder Behinderte nichts in dem Unternehmen zu suchen hätten. Es kamen im Laufe der Zeit noch so einige Äußerungen, die weit unter der Gürtellinie waren, so dass ich mich letztendlich für einen Wechsel in den öffentlichen Dienst und einen offenen Umgang mit der MS entschied, was für mich die gesundheitlich bessere, wenn auch nicht unbedingt einfachere Lösung war.

 

Parallel zu dem Stress auf der Arbeit entschied sich mein damaliger Partner, sich auf sehr unfaire Weise von mir zu trennen. Da wir einen sehr großen Freundeskreis hatten, hoffte er, dass er mich durch sein Verhalten dazu bringt, dass ICH die Beziehung beende, damit ihm nicht von unseren Freunden vorgeworfen wird, dass er mich in dieser Situation „im Stich“ gelassen hat.

 

Die ersten Jahre nach der Diagnose war also förmlich ein Albtraum für mich. Wie ich die vier Jahre mit totalem Mobbing und mindestens 10 Stunden Arbeit ohne Pause, Beziehungsstress und einer für mich neuen MS überstanden habe, weiß ich im Nachhinein nicht wirklich. Ich war schon immer eine Optimistin und mich hat wohl der Gedanke vorangetrieben, dass „alles nur besser“ werden kann.

 

Ich schreibe Euch diese „Horrorgeschichte“ nicht, um Euch zu verängstigen, dass es Euch vielleicht auch mal so gehen könnte. Eine Freundin von mir meinte mal zu mir, dass sie mich „unfassbar“ stark fände, dass ich nach all‘ diesen Erfahrungen noch an das Gute im Leben und im Menschen glaube und das tue ich. Allein durch diese Erfahrungen weiß ich viele „kleine“ Dinge zu schätzen, die ich früher überhaupt nicht beachtet habe und ich habe im Gespräch mit anderen MSlern oft gehört, dass es ihnen auch so geht. Was auch immer in Eurem Leben auf Euch zukommt oder in was für einer gesundheitlichen Situation Ihr gerade seid, glaubt an Eure Stärke. Eine Neurologin sagte mal zu mir, dass ich meinem Optimismus „sehr viel verdanken“ könnte, er hätte einen immensen Einfluss auf so eine Erkrankung wie MS. Leicht gesagt, ich weiß… 😉

 

2006 habe ich übrigens meinen jetzigen Mann kennengelernt, für den die MS und die Gehprobleme kein Problem waren. Wir sind mittlerweile ein „gut eingespieltes Team“, was meine Gehprobleme betrifft und wir verreisen sehr gerne zusammen. Mittlerweile sind wir auch schon fast 7 Jahre verheiratet.

 

Momentan stehe ich bzw. stehen wir jedoch mal wieder vor einer großen Herausforderung: ich habe im September 2016 auch im Zusammenhang mit der MS eine Hüft-Totalendoprothese erhalten und muss nun quasi wieder „neu laufen lernen“. In der Kombination mit vorhandener Gehbehinderung durch die MS ist dies ein wirklicher Kampf.

 

Wer mehr darüber lesen möchte – ich „bastele“ gerade an einem eigenen Blog. Wann er online ist, erfahrt Ihr es z.B. bei Instagram (dort heiße ich „75dura“).

 

Alles Liebe,

Cirsten

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