Gedanken

Sprachlos

19. Dezember 2017

Die letzte Zeit ist es allgemein etwas ruhiger geworden. Um mich, um meine Person. Die Fatigue hält nun seit Wochen Einzug und ich fühle mich zum Teil wie gelähmt. Was dazu führt, dass meine Prioritätenliste sich geändert hat. Sobald ich das Gefühl habe, ein wenig Fitter zu werden, nutze ich dies aus zum mich entweder bewegen oder eben arbeiten.

Als selbständige ist es schwierig sich auszubremsen vor allem wenn es viel zu tun gibt. Einfach nur da zu liegen und nichts machen zu können ist die Hölle für eine junge Frau die gerade in der Blüte ihres Lebens steht. Deshalb nutze ich die letzten Wochen des klaren Denkens dafür um an meine Projekte zu arbeiten.

so Still, so wunderbar und so in sich gekehrt

Doch genau immer dann, wenn die MistStück „HIER“ schreit, genau dann bekomme ich zu hören wie toll ich doch aussehe, wie erholt und ob ich Urlaub gemacht hätte. Äh jaaaaaa, genau das habe ich getan. Genau wie die Tatsache, dass sich die Familie geäußert hat, sie fühle sich verarscht, denn ich sehe gesund aus, also normal und trotzdem sage ich Familienfest ab oder die Kraft nicht dafür finde mich mal zu melden.

Ja genau diese Momente machen mich sprachlos. Weiß weder wie ich reagieren soll noch ob ich überhaupt reagieren soll. Jetzt nochmal. Dieses Thema wurde schon oft behandelt und durchgekaut. Doch nur, weil man angeblich NICHT Krank aussieht, glaubt einem keiner, dass es einem wirklich nicht gut geht? Und genau dann frage ich mich warum die MS eine so komische Erkrankung ist. Warum können andere angeblich nicht sehen wie es einem wirklich geht?

Na klar geht es mir im Großen und Ganz „OK“, doch die Fatigue zum Beispiel, ist halt die letzten Wochen doch relativ präsent. Dass ich es nicht nach außen trage, liegt daran, dass ich die Energie lieber in meine Arbeit stecke oder in schönere Dinge die mein Gemüt erheitern. Doch Sprüche wie „Gib der Familie nicht das Gefühl du würdest sie ausnutzen!“ Bitte what? Haja, ok vielleicht habe ich ja mit der MS, mit den Symptomen übertrieben, denn ich kann genau bestimmen wann es mir nicht gut geht und wann ich was machen kann.

Kalt war es, doch wenn man innerlich mit sich im Einklang ist, dass kann man auch die Kälte in etwas positivem verändern

Es geht doch darum mit der MS das zu tun was der Körper einem sagt, dass es gerade jetzt gut tut. Tue ich das, stoße ich auf große Fragezeichen und das nach Jahren immer noch. Es tut ein wenig weh, denn ich erwarte nicht, dass jeder mich versteht und schon gar nicht nachvollziehen kann wie es mir geht, genauso tut es mir ein wenig Leid, dass ich die MS nicht leichter verständlich nach außen erklären kann. Doch was mir nicht leid tut, ist die Tatsache, dass ich für mich den bestmöglichen Weg gehe, um Schmerzen, Belastungen, schlimme Beschwerden, zu vermeiden.

Macht das was euer Herz diktiert –

Es tut mir nicht leid, dass ich auf mich schaue, dass ich darauf schaue den Alltag und das jeden Tag gut meistern kann. Mich nachts schlafen legen und eventuell keine großen Alpträume durchschlafen kann.

Ich möchte niemanden verletzen, möchte auch niemanden vor dem Kopf stoßen, doch ich möchte, dass man mich vielleicht mein Weg gehen lässt im Vertrauen, dass ich in erster Linie gut für mich Sorge. Jetzt so kurz vor Weihnachten denke ich nicht, dass irgendjemand darauf bedacht ist sich zu streiten. Denn Weihnachten steht doch ganz groß für Liebe. Genau das sollte man nicht nur an Weihnachten, sondern immer leben. Nun möchte ich mich zum Schluss kurz aber auch bei den Menschen bedanken die mir immer zur Seite stehen, egal ob irgendeine Entscheidung, Verhalten von mir gut, richtig oder falsch war.

Passt bitte auf euch auf und schaut gut zu euch. Geht liebevoll mit euch um und sorgt dafür (so gut es geht), dass es euch immer gut geht. Klar andere Kritiken müsst ihr sogar unter die Lupe nehmen und euch hinterfragen ob es manchmal nicht doch der richtigere Weg ist.

Habt eine wunderschöne Vorweihnachtswoche meine Lieben.

Drücke euch,

Claudia  

  1. Liebe Claudia,

    ich weiß genau was du meinst. Und manchmal ertappe ich mich sogar dabei, dass ich mit “Sehr gut!” antworte, wenn mich jemand fragt wie’s mir geht. Weil es mir in dem Moment eben den Umständen entsprechend sehr gut geht, was aber nicht heißt, dass ich nicht auch einige Dinge aufzählen könnte, die gerade in meinem Körper MS-bedingt “unrund” laufen.

    Bin außerdem generell überzeugt davon, dass es einem dadurch früher oder später auch selbst schlechter gehen würde. Also indem man immer wieder laut ausspricht, was gerade NICHT gut ist. Think pink, oder? 😉

    Und zum Thema Feiern oder Treffen usw absagen …
    Bei mir persönlich hängt das nicht einmal immer damit zusammen , dass es mir bereits schlecht geht. Manchmal mache ich das auch um einfach vorbeugend darauf zu achten, dass es mir DANACH nicht schlecht geht weil ich mich übernommen hab. Irgendwann bekommt man ein Gespür dafür wieviel möglich ist und wann die Batterien besser wieder aufgeladen werden sollten.

    Finde deinen Blog ganz toll, bin erst kürzlich darauf gestoßen und lese mich jetzt erst mal durch deine Beiträge. 🙂

    Alles Liebe,
    Claudia

    1. PS: Es tut mir sehr leid, dass deine Familie da so wenig Verständnis hat. Nimm es nicht persönlich, sie wissen es einfach nicht besser. Deren Horizont ist eben nicht wie dein Horizont. Ich muss mir das auch oft vorsagen wenn ich mal wieder geplättet bin von der Engstirnigkeit mancher Menschen.

    2. Liebe Claudia,

      jaaa, think pink .

      Ich finde es super, dass du soweit weißt wie dein Körper tickt, eben damit du auch Überlastungen vorbeugen kannst. Es braucht halt seine gewisse Zeit bis man wirklich gelernt hat, was einem Gut tut und was eben nicht, doch hat man einmal den Dreh raus ist der innere Druck fast wie weggeblasen.

      Mit der Familie ist es halt so, leider. Doch nach 7 Jahren sollte man wenigstens gelernt haben, einem in Ruhe zu lassen, wenn man eh nicht versteht um was es geht. Auch da bin ich mir relativ sicher, dass eines Tages es auch bei einigen Mitglieder der Familie “Klick” macht. Ich habe mit den Jahren gelernt, dass es seine Zeit braucht, bis einige Menschen soweit hinterher kommen mit dem Verständnis. Das ist auch gut so, denn ich weiß nicht ob ich mich selber mit der Krankheit hätte beschäftigt wenn ich sie nicht gehabt hätte. Wohl eher nicht so viel .

      Wünsche dir noch einen schönen Abend.

      Lieben Gruß,
      Claudia

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