Gedanken

Motivationstief?

13. November 2017

Einige von euch dürften es nur allzu kennen! Man steht morgens auf, wird ganz sanft – äh sorry mit der Keule – von der Seite wachgeküsst. Das Gefühl 1000 kg an den Beinen festgebunden zu haben, der Schädel brummt als hätte man die Nacht davor sich mit min. 2 Flaschen vom guten Rum zugeschüttet, ja das ist keine Seltenheit. Doch was macht man wenn gerade bevor man die Augen aufmacht und die Fatigue war schneller?

Ich erlebe es in meinem Umfeld, dass manche Menschen auch ohne MS, Schwierigkeiten haben sich zu motivieren, wenn sie mal in einem Tief hängen.

Doch wie motiviert man sich? Was bedeutet Motivation eigentlich?

Motivation bezeichnet die Gesamtheit aller Motive (Beweggründe), die zur Handlungsbereitschaft führen, das heißt das auf emotionaler und neuronaler Aktivität beruhende Streben des Menschen nach Zielen oder wünschenswerten Zielobjekten. Die Umsetzung von Motiven in Handlungen nennt man Volition oder Umsetzungskompetenz.“ – Wikipedia

So, die Definition auf Wikipedia ist für vielen wahrscheinlich nicht sehr verständlich, doch ich denke im Großen und Ganzen möchte es folgendes sagen: – „Hast du ein Ziel, dann bist du motiviert.“

Doch was ist, wenn man diese „Ziele“ nicht greifen kann? Kann mir gut vorstellen, dass einige sich folgendes sagen: „Aber mir geht es gerade sehr schlecht, wer garantiert mir, dass ich dann noch die Kraft aufbringen kann um mein Ziel zu erreichen?“

Nun die einzige Garantie die man in einem solchen Moment hat, ist die Tatsache, dass die einzige Person, die es schaffen kann, sich trotz seiner schlechten Lage motivieren kann, die Person selber ist. Nur die betroffene Person kann sich selber „aufraffen“ weiterzumachen.

Klar ist das schwer und viel viel bequemer liegen zu bleiben, sich eine Runde zu bemitleiden und am besten noch ein Arzt aufsuchen, weil man mit Sicherheit das Gefühl hat zu sterben. Oh ja, ich spreche mir selber aus der Seele und vor allem aus Erfahrung. Am Anfang der Diagnose bis vor gut einem Jahr, war ich nämlich genauso. Anstatt mich aufzuraffen und weitermachen, habe ich bevorzugt Dauerpatient in der Notaufnahme zu werden.

Warum das so war? Die MS zickte. Ich konnte diese Symptome nicht zuordnen. Also packte ich mich jedes Mal ins Auto und ab in die Notaufnahme gefahren. Jaaa, jedes Mal fanden sie nichts. Es wurde aber zum Ritual. Obwohl ich spürte, auf meinem Körper hörte, wusste ich, dass ich nichts hatte. Ja die Diagnose MS hat es mir nicht leicht gemacht mich in einer Zone zu bewegen die für mich null förderlich war.

Denn allgemein bin ich der Typ Mensch die zwar ab und an schon gerne mal faul in die Ecke liegt, doch das langweilt mich mit der Zeit und ich brauche Action. Mit der Zeit – also jetzt genau so ein Jahr her – wurde es mir bewusst, dass ich mich nicht mehr blamieren kann und ständig als Dauergast in die Notaufnahme verweilen und vergammeln, also änderte ich etwas.

Was?

MEINE GEDANKEN

Gedanklich habe ich mich schon seit 29 Jahren in Griff, deshalb bin ich auch hier und habe mein Leben lang nicht aufgegeben obwohl ich mehr als n! mal davor war alles hinzuschmeißen. Doch was die MS anging, lernte ich schnell zu resignieren, wenn es um Dinge ging die sie vielleicht wachrütteln könnte. Deshalb wurde ich immer unsicherer.

Bis es endlich bei mir Klick machte. Ach ich denke das ist bei den meisten das Problem. Bis es KLICK macht. Den berühmten „Aha“-Effekt. Bis man versteht, dass man selber dafür verantwortlich ist, sich zu motivieren. Egal wie schwer es ist, egal wie hart der Körper streikt. Weitermachen und den Körper mit Respekt behandeln. Sich vorstellen man funktioniere wie ein Auto, je besser man sich darum kümmert, es pflegt, desto länger wird es halten und einwandfrei fahren.

Natürlich kann man das machen was Ärzte sagen, doch genau da fängt meistens das Problem an. Seit meiner Basistherapie im Jahre 2011 habe ich heute immer noch damit zu kämpfen. Mein Körper nagt auch noch nach 6 Jahren an der Chemie. Natürlich nehme ich auch Medikamente, wie z.B. Antibiotikum, wenn es notwendig ist wie bei meiner letzten bakteriellen Nebenstrangangina. Doch seit 2011 eben, bin ich vorsichtig mit Medikamente und so kann ich meine MS einigermaßen in Schach halten.

Sollte nicht heißen, dass es anderen nicht hilft. Um Gottes Willen, ich möchte mich nicht unbeliebt machen oder jemanden angreifen. Das möchte ich auf keinen Fall, denn ich freue mich aus tiefstem Herzen, wenn jeder seinen Weg findet, so wie es für ihn persönlich passt. Ich kann nur von mir reden, wie es dazu kam, dass ich mich jeden Tag ein Stück weit (wenn nicht ganz) selbst motivieren kann. Mir geht es jetzt deshalb den Umständen so gut, weil ich alles auf ein Minimum reduziert habe was mein Körper stressen könnte.

Von Medikamente, zu trockene Luft, zu wenig Bewegung, die negativen Gedanken was Krankheiten angeht habe ich auch mit Bravour hinter mir gelassen, bis hin zu sogar weniger Auto fahren, damit ich die Umwelt nicht belaste.

Seitdem ich richtig meditiere, mein Leben nach Ayurveda lebe, bin ich im Einklang. Natürlich habe ich jeden Morgen schmerzen, wie schon vielen Jahren, seit der Diagnose, doch es macht mir nicht mehr so viel ausmacht. Ich strecke mich, ich räkele mich, doch vor allem bin ich in erster Linie DANKBAR. Dankbar, dass ich ein weiterer Tag die Chance bekomme, das Beste aus meinem Leben zu machen. Und das ist mir heilig jeden Morgen. Jeden Morgen danke sagen, denn ich weiß genau wie schnell alles vorbei sein kann.

In kurzer Zeit zwei Familienmitglieder verloren. Von jetzt auf jetzt. Sie hatten Pläne.

Genau das ist jeden Morgen meine Motivation. Anstatt zu nörgeln wie schlecht es mir geht und anfangen aufzuzählen was ich NICHT machen kann, bin ich dankbar, dass ich aufwache klar denken kann und begrüße den Tag mit einem dicken Lächeln.

Lächle und die Welt gehört dir

Auch habe ich gelernt, dass aller Elend irgendwann ein Ende hat. Es gibt keinen unendlichen Zustand des schlechtgehens. Zwischen Hoch und Tief wechselt sich das ab. Mal so, dann mal so. Wenn es euch schlecht geht, oder ihr Beschwerden habt, denkt daran, dass alles vorbeigeht. Denkt an schöne Momente die ihr hattet oder gar ab und zu noch habt. Unser Körper ist belastbar, hält viel aus und geht nicht so schnell kaputt, außer man macht ihn mit negativen Gedanken kaputt.

Setzt euch Ziele, z.B. was ihr nächsten Frühling alles machen wollen, besuchen wollt – ja auch wenn auf alle Vieren, im Sitzen, ohne Geld, mit Geld – denn Ausreden gelten nicht. Nicht als erstes denken was alles nicht geht, sondern überlegen was gehen würde mit den Möglichkeiten die ihr habt. Habt Mut und macht euch eine Liste mit Dingen die ihr noch erleben, machen wollt. Dann geht ihr nach dem Ausschlussverfahren vor. Was könnt ihr machen, wann, habt ihr das Geld, was kostet kein Geld usw.

Bitte gebt nicht auf, denn das Leben ist so wunderbar trotz allem was mit uns und mit unserem Umfeld, passiert. Ihr seid alle starke Persönlichkeiten und hinter dem Wort „Motivation“ steckt kein Hexenwerk, sondern einfach nur die Lust und Neugier auf Neues erleben, sehen, fühlen, genießen.
Fühlt euch doll gedrückt.
Eure

Claudia

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