Gedanken | Selbständigkeit

MS vs. Selbständigkeit und warum es funktionieren kann

7. November 2017

Oder wie man auch sagen mag: „Krank vs. Mammut“, „Krank vs. Selbständigkeit, oder auch Krank und das von selbst und ständig“, und im Grunde genommen zum Schluss doch „MS & sehr stolz“!

Heute möchte ich euch kurz erläutern wie es sich mit MS und als selbständige lebt. Selbständigkeit ist alleine schon an sich ein großer Schritt, eine große Veränderung. Eine Mammutaufgabe. Eine nicht mehr ganze 40 Stunden Woche, eher so 2 bis 3 Wochen auf einer zusammengeführt.

Doch wie läuft eine Selbständigkeit ab wenn man an eine Krankheit wie die Multiple Sklerose leidet? Nun, was ich kurz und knackig sagen kann: „Es ist eine Herausforderung!“ Doooch, eine Herausforderung die Spass macht!

Heute war ein Tag zum Beispiel, der mit zwei Aufgaben angesetzt wurde und am Ende des Tages kann ich die Aufgaben leider schon nicht mehr zählen, da es im Laufe des Tages Aufgabe um Aufgabe gewachsen ist. Geplant hatte ich folgendes -> morgens nach Basel. Ich habe die Genehmigung bekommen, an einer für mich die schönste Location, Portraitbilder von mir für meine Webseite, zu machen. An dieser Stelle möchte ich vom ganzen Herzen bei Frau Gnädinger bedanken, dass sie mir dies ermöglicht hat. 

Wichtig ist wie konsequent ihr hinter einer Sache steht, allein nur das zählt und nicht ob ihr groß, klein, dick, dünn etc., seid

Dann gemütlich nach Hause tuckern und mittags dann zur Physio. Das waren die „außer“ Haus Termine die ich hatte. Warum ich nur so wenige am Tag machen kann? Nun ja, die Selbständigkeit ist ja nicht nur außer Haus sein, Termine vor Ort, ständig unterwegs sein. Man muss auch einiges hinter den Kulissen machen. Um genau das alles mit der MS schaffen zu können, brauche ich Physiotherapie, denn dank der MS, gibt es einiges die ich leider nicht alleine von Zuhause aus trainieren kann.

Wie mein Tag ablief? So ungefähr: Nach Basel gefahren – Bilder gemacht – wieder zurückgefahren – Zuhause warteten die neuen „Werbemittel“ auf mich, also eingepackt und gedacht, vor Physio gehe ich noch kurz ein bisschen Werbung machen – dann kurz ein Kaffee genossen und zusammengeführt was ich für die Buchhaltung alles brauche – Physio gefahren – danach haben sich noch ein paar geschäftlichen Dinge, wie zum Beispiel mögliche Kooperationen, ergeben.

Schließlich war ich nach 10 Stunden endlich Zuhause. Erledigt, voller Schmerzen, aber mega glücklich. Manche werden sich fragen, warum ich so banale Dinge oben geschrieben habe, ist ja nichts Außergewöhnliches und für Selbständige eigentlich ein „relaxter“ Tag. Ja klar, vielleicht schon. Doch leider nicht mit einer Erkrankung wie Multiple Sklerose! Dennoch kommen auch hier öfter solche Tage vor, denn die Leidenschaft ist da. Man hängt sich nicht rein, weil man muss, sondern weil man will.

Jetzt wären wir nun auch bei dem Thema WARUM, warum ich eigentlich in die volle Selbständigkeit gegangen bin? Nun, weil die Leidenschaft mich nun endgültig dahingetrieben hat. Und wenn das Herz einem nur in eine bestimmte Richtung lenkt, dann ist es auch das was man machen sollte. Warum aber jetzt nochmal Webdesign/Webentwicklung?

Als studierte Informatikerin (bei meinem Hintergrund bin ich mega stolz, dass ich das Studium konsequent und erfolgreich durchgezogen habe, wenn man bedenkt, dass ich davor nicht einmal wusste was ein cin– oder cout-Parameter ist, geschweige denn, dass es die Ein- und Ausgabebefehle in C++ sind) kam ich schnell auf den Geschmack der visuellen und animierten Darstellung von grafischen Oberflächen.

So fing ich schon während des Studiums an Spiele zu programmieren – ja in Java – denn mich hat nicht nur die grafische Programmierung fasziniert, sondern auch das technische im Hintergrund.

Was brauche ich im Hintergrund an Server, damit alles so läuft wie es sollte. Für einige von euch sind Begriffe wie „Tomcat, IBM Oracle…“ nicht wirklich gängig oder dass es damals nicht wirklich so einfach wie heutzutage, war eine Webseite zu programmieren. Damals gab es nicht alles schon „fertig“, man musste es sich selber zusammenbasteln und sich gedanken darüber machen -> „Wie muss ich eine Webseite programmieren, damit sie auf dieser Datenbank und gleichzeitig auf diesen Webserver läuft?“, „Sind die Serverversionen kompatibel oder fliegt es mir um die Ohren sobald ich die Webseite kompiliere, äh ausführe?“

Ja heutzutage gibt es Webdesigner schon fast wie Sand am Meer und ja auch ich werde des Öfteren gefragt was mich von den anderen abhebt. Genau wie heute. Die Antwort ist für mich ganz einfach. Die Berufserfahrung, meine Qualifikationen und die Vielfältigkeit, das Ganze gepaart mit dem starken Willen es zu schaffen, trotz meines Hintergrundes mit MS.

Ich habe z.B. nicht nur Spiele mit Flash, Flex designed, sondern diese auch mit AktionScript 1-3 programmiert. Jahrelange Erfahrung in Applikationsentwicklung für Unternehmensportale, was ich damals die responsive Webentwicklung beigebracht hat, was so viel bedeutet, dass alle Apps auf alle Medien/Devices und ganz wichtig auf alle Browser, laufen. 

Nein, ich kann nicht nur „alte“ Sachen auf „alte“ Geräte programmieren und entwickeln, sondern bin selbstverständlich auch auf dem neusten Stand von WordPress, auch Typo3. WordPress ist mächtig und ein sehr gutes, starkes CMS mit dem man viel programmieren kann.

Was trieb mich nun in die Selbständigkeit, obwohl ich doch einen Brocken wie MS auf den Schultern mittragen muss? Ganz einfach! Die LEIDENSCHAFT! Wenn man mit Leidenschaft für eine Sache brennt, dann kann es auf keinen Fall falsch sein, so habe ich auch nicht lange für die Entscheidung gebraucht mich selbständig zu machen.

Ja man braucht MUT. In beiden Fällen des Lebens, ob Gesund oder gehandicapt. Mutig sein ein Risiko einzugehen ist vielleicht auf den ersten Blick etwas erschreckend, doch wenn man zu 100% etwas wirklich will, dann ist man automatisch mutig.

Also seid mutig, traut euch, egal wie Hürdenreich der Weg erscheint, es wird sich auf jeden Fall lohnen, egal ob mit Erfolg oder Erfahrung, man geht nie leer aus diesem Deal raus. Wenn ihr etwas habt wofür ihr brennt, dann traut euch, traut euch ein Schritt nach vorne zu gehen, auch wenn darauf zwei nach hinten folgen. Last euch nicht entmutigen. Denn auch wenn man zum Beispiel weniger funktionieren kann als ein gesunder Mensch, heißt es noch lange nicht, dass man automatisch auch schlechter in der Arbeit ist. Lasst euch nicht verunsichern und kämpft im Leben.

– Traut euch die Seiten aus euren Lebensbuch neu zu schreiben, befüllt sie mit Leben, Mut und eine große Portion schwarzem Humor –

Kämpft für das was euch wichtig ist, was euch am Herzen liegt. Schiebt es nicht auf, sonder ergreift es jetzt, denn JETZT ist unsere Zeit!

Habt einen wunderschönen Abend.

 

Eure,

Claudia

 

 

 

 

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