Gedanken

Wenn Träume am Ende doch zerplatzen…

29. September 2017

..so meine Lieben, wir schlagen nun fast schon die Stunde 2, mitten in der Nacht und philosophiere darüber warum Träume zerplatzen. Ich kann nicht schlafen, Gedanken plagen mich. Ach ja, sprachlos bin ich auch. Versuche mich wieder im Hier und Jetzt zurecht zu finden, wobei ich mich schon im Hier und Jetzt befinde bin nur etwas konfus.

Montag vor einer Woche, habe ich auf mein Herz gehört, die Chance ergriffen und mich beworben. Beworben auf meiner Traumstelle. Am Dienstag hatte ich dann nicht nur in die Akademie das Aufnahmegespräch, sondern auch in einem der besten Hotels hier Bewerbungsgespräch gehabt. Lief alles so gut, war so begeistert.

Dann habe ich am Mittwoch dem Chef gesagt, dass ich an Multiple Sklerose leide. Für mich war das alles andere als einfach. Ich hatte Angst vor den Reaktionen, davor ob er sich dann noch für mich entscheidet oder mir doch den Laufpass gibt und mich behandelt wie so viele in der Vergangenheit. Am Donnerstag rief er an und sagte mir zu. Sagte mir ich solle mir keine Sorgen, keine Gedanken machen. Ich fing dann an zu weinen, bekam einen leichten Schock. Sprang in die Luft vor Freude.

meine Freude war sooo groß wie das Haus (Baum) dieser Schnecke

Ich kann euch nicht sagen wie toll sich das angefühlt hat, nach all den Jahren eine Chance zu bekommen, trotz der MS sich beweisen zu können, für den eigenen Traum zu kämpfen. Am Freitag hatte ich dann alle Verträge in den Briefkasten und konnte mein Glück kaum fassen. Musste dann viele Unterlagen zusammensuchen, was ja nicht schlimm war. Dann bei verschiedene Ämtern Bescheinigungen holen.

Also ging ich am Dienstag kurz vorbei um alles abzugeben, da ich am 26.09. alle Unterlagen abgeben musste. Merkte aber schon bevor ich ankam, dass etwas nicht stimmt. Mir ging es auch nicht wirklich gut. War irgendwie durch den Wind. Dann schlug von jetzt auf jetzt auch noch die Fatigue zu und hatte so sehr Mühe mich zu konzentrieren. Ok, dachte mir „Claudia ziehst es durch, gehst nach Hause und legst dich hin!“

In den letzten Monaten hat die MS mir fast täglich so richtig ihr Mittelfinger gezeigt

Also wurde ich von einer Dame aus dem Büro empfangen, die meine Unterlagen entgegengenommen hatte. Dann hieß es, wenn ich schon mal da sei, dann suchen wir die passende Kleidergröße für meine Arbeitsbekleidung aus, die aus einem Etuikleid und einem Bolero bestand, Schlüssel- und Spintübergabe gab es anschließend. Gut, ich war total aufgeregt, habe mich auf das was kommt so sehr gefreut, dass ich für kurze Zeit gar nicht mehr gemerkt hatte wie sehr mich die Fatigue eingenommen hatte.

Wir machten uns auf dem Weg zur Arbeitsbekleidung, was mit einem gewissen Weg verbunden war. Ich merkte, dass etwas nicht stimmte. Also vom Tempo her bin ich gar nicht mitgekommen. Ich musste fast rennen. Na gut ich erwähnte beim Chef, dass ich nicht rennen kann, auch nicht schnell laufen. Hm, die einzige Erklärung war, dass er es vielleicht vergessen hatte zu erzählen, dass ich etwas langsamer unterwegs bin. Nun ja, die Dame hat schon recht komisch geschaut, was mich stutzig machte.

Wir kamen unten in die Wäschekammer, bekam ein Kleid und fing an mich anzuziehen. Das Etuikleid, hatte einen langen Reisverschluss, so dass ich mich nicht selber komplett zu machen konnte und ich bat sie mir zu helfen. Da fing sie schon an sehr aufmüpfig zu werden. Vielleicht ist aufmüpfig das falsche Wort, aber doch sehr bestimmt und herablassend im Ton. Haja, dachte mir nichts dabei, vielleicht hatte sie einen schlechten Tag.

Dann fing sie an direkt zu werden und vor allem hatte sie sich etwas in den Ton vergriffen. Es ging Treppe hoch und runter, was ja nicht schlimm ist nur, wenn dann wirklich komische Kommentare kommen, so nach dem Motto ich soll schneller machen und nicht die Zeit vergeuden, ja dann wird es etwas schwierig. Mein erster Stopp ab Montag wäre Service gewesen. Dachte mir ha cool, hatte in die Vergangenheit zwar meinen eigenen Rhythmus da wo ich arbeitete, aber hatte nicht wirklich viele Probleme.

Soo doch hier wurde im Service gerannt, sehr schnell gelaufen und bekam langsam sehr große Panik, denn das würde ich nicht lange mitmachen, alleine weil ich beide schwere Schübe auf beiden Beine hatte und die Lähmungen so stark waren, dass ich bis heute 24/7 noch unter Schmerzen leide. Trotzdem haben wir uns verabschiedet und machte mich mit dem neuen Spintschlüssel und der Arbeitsbekleidung auf dem Heimweg.

Gestern, den 28.09.2017 ist mein Traum geplatzt. Der Chef ist ein Schatz, er hatte so viel Verständnis für mich, doch leider waren einige nicht ganz begeistert (mit viel Fehlen, viel Krankgeschrieben sein).

Spätestens zu diesem Zeitpunkt bekam ich von der MS einen Blackout, körperlich wie geistig. Ich konnte alles darauf verwetten, dass diese Personen nicht einmal wussten was MS ist. Aber nun gut, unter diesen Umständen ist es wohl besser, wenn ich dort nicht anfange zu arbeiten. Was nicht heißt meine Lieben, dass für mich keine Welt zusammengebrochen ist, ich am Boden zerstört war.

Natürlich hätte sich mein Chef auch für MICH einsetzen können, doch wenn er es getan hätte, dann wäre die Atmosphäre so vergiftet gewesen, dass ich eh nicht hätte lange mitmachen können. Naja, ich entschied mich dann auch gegen den Job, denn für mich persönlich wäre das nicht vertretbar gewesen.

Ich werde mich für kurze Zeit mal zurückziehen, meine Zuckermäuse. Brauche ein wenig Zeit um mich zu erholen und den Schock zu verdauen, dass alles innerhalb von wenigen Tage so sehr den Bach runter ist. Aus der Traum, aus mit der geilsten Möglichkeit die ich je bekommen habe und womöglich auch die letzte sein wird. Ja in solchen Momenten bin ich auf Kriegsfuß mit der MS, dann kann sie mich mal richtig. Sie sorgt immer dafür, dass ich meistens scheitere, ja so ist es nun mal.

Ein weiterer Schicksalsschlag, ein weiterer Neuanfang. Mich weiter damit rumschlagen, mir anhören zu dürfen “Sie sehen nicht Krank aus, sogar sehr Fit. Wenn Sie keine Lust haben sich voll einzubringen, dann müssen das nur sagen, es gibt viele Menschen die psychisch Labil sind und suchen nach einer schweren Erkrankung!” Ja, genauso ist es und nicht anders :-(. Aber gut, man lernt sich damit zu arrangieren, ja mit einem Lächeln im Gesicht.

Alles steht wieder auf Neuanfang

Trotz allem werde ich weiterkämpfen und nicht aufgeben, denn aufgeben ist doof, sehr sogar. Deshalb aufstehen, Krönchen richten und ein neuer Plan schmieden.

Wünsche euch eine Gute Nacht meine lieben und träumt was Tolles.

Eure,

Claudia

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