Gedanken

Wenn Träume doch wahr werden..

22. September 2017

..ja dann könnte man die ganze Welt umarmen und sich über die Träume freuen. OMG meine lieben, muss jetzt bevor ich anfange zu schreiben, an mein Storyvideo denken und muss schon wieder ein Tränchen verdrücken. Diese Woche war voller Ereignisse und dann auch diese mega tollen Nachrichten.

Ein wenig ausholen muss ich trotzdem, damit ihr versteht warum ich so sehr auf Instagram geweint habe. Als studierte Informatikerin, bzw. Programmiererin hatte ich es nicht immer einfach im Berufsleben. 2008 hatte ich mein Abschluss in der Tasche, doch wie ihr schon wisst besuchte mich September 2009 schon heimlich die MistStück und bescherte mir den ersten Schub. Zu dem Zeitpunkt wusste ich aber nicht was ich hatte, denn keiner gab sich Mühe um dem Ganzen auf den Grund zu gehen, außer ich sei „überlastet“.

So, nun konnte ich aber schon damals, gleich nach dem Schub nicht Vollzeit arbeiten, also fing ich gleich nach dem Abschluss mit einem 50 % Job an, was für mich auch ok war. Leider habe ich die erste Firma verlassen und wechselte, natürlich auch ein 50 % Job. Doch ab da fing es an richtig schwer zu werden. Ich bekam nicht nur den zweiten heftigen Schub, sondern auch die gesicherte Diagnose. Mit der Diagnose, durfte ich mir aber schon die ersten „Diskriminierungskommentare“ anhören. Am traurigsten machte mich die Tatsache, dass keiner mich einstellen wollte sobald ich sagte ich hätte MS. Habe ich es nachdem ich schon eine gewisse Zeit gearbeitet habe, wurde ich entlassen, weil ich für die Firma nicht mehr tragbar war, obwohl ich genauso wie alle anderen gearbeitet hatte. Aber nun gut.

So bekam ich immer mehr Schwierigkeiten im Beruf. Mit der Zeit hatte ich keine Kraft mehr um auf Arbeit zu erscheinen, mich zu rechtfertigen oder blöde Kommentare in Kauf zu nehmen. Also machte ich mich Selbständig. Es war ok, doch mit den Wochen, mit den Monaten merkte ich, dass mein Herz, meine Seele unglücklich sind. Ich versprühte keine Leidenschaft für die Arbeit die ich tat. Arbeitete ohne Hingabe. Ich fing an mich mit der Zeit (vor genau 8 Monaten) mich umzuschauen wo ich arbeiten könnte.

Seit 8 Monaten traute ich mich nicht genau danach zu suchen was mir Spaß machte. Es war mir immer wichtig mit Menschen zu arbeiten. Ein lebenlang finanzierte ich meine Schule, Studium mit Kellnerjobs. Das gab mir so viel. Zufriedenheit, Glück und vor allem ein Lächeln. Ich war immer zutiefst erleichtert als ich nach Hause ging und wusste die Menschen hatten einen tollen Aufenthalt im Café, Restaurant.

Genau da sah ich mich. Es gab mir so viel. Hatte aber Angst mit meiner MS den ganzen Aufgaben nicht mehr gewachsen zu sein. Dass ich nicht mehr lange stehen kann, viel laufen kann. Also schaute ich mich jede Woche nach meinem Traumjob um. Ohne mit jemanden nur ein Wort zu sprechen. Nicht einmal meine Familie wusste über meine Pläne Bescheid. Über meinen Traum. Warum sollten sie auch etwas darüber wissen, denn sie würden eh nur sagen „Wie? Du willst schon wieder etwas Neues machen?“ Ja ne is klar. Also hatte ich den Plan, diesen Weg alleine zu gehen, es mit niemandem teilen.

Dann an diesen Montag, stieß ich auf eine Anzeige und griff zu. Wobei mich Ängste plagten, da ich nicht wusste wie es genau laufen würde. Also habe ich meine Bewerbung geschrieben und los ging’s. War gegen mittags. Nicht einmal eine Stunde später bekam ich ein Anruf, dass ich am nächsten Tag (Dienstag) zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen sei. Ach ich habe euch gar nicht gesagt um welche Stelle es sich handelt. Es ist ein duales Studium im „International Business Management – Schwerpunkt Hotelmanagement!“.

Vertrag vom Unternehmen

Vielleicht wissen einige von euch wie ein duales Studium funktioniert. Für die die es nicht wissen. Im abwechselnder Rhythmus hat man 3 Monate Theorie, dann 3 Monate Praxis in einem Unternehmen. Voraussetzung ist hierfür immer, dass das Unternehmen/Betrieb einem nimmt. Also bewarb ich mich bei einem der besten Hotels hier in Freiburg. Ich mein 4-Sterne-Superior hört sich nicht schlecht an und dann auch Sterne-Küche-Restaurant. Hm, ein Traum.

Nun kam der Dienstag. Bevor ich zum Vorstellungsgespräch ins Hotel ging, musste ich zu einem Aufnahmegespräch an der Uni. Lief schon mal richtig gut. War sehr beeindruckt. Trotz, dass mir nahegelegt wurde, dass es kein Zuckerschlecken sein wird. Doch wenn ich einmal fertig bin stehen mir alle Türen offen. OMG, die Aufregung nahm zu, die Stunde kam immer näher und ich stand vorm Hotel. Aufgeregt wie ein kleines Kind, wusste nicht genau was mich erwartet.

Das Gespräch lief ganze 15 Minuten. Hätte ich in der IT gehabt, dann wäre das ein schlechtes Zeichen gewesen, wenn ich nach den 15 Minuten schon fertig gewesen wäre. Doch hier? Nein alles war gut. Er hat mir auch direkt nach dem Gespräch zugesagt. Doch ich konnte es nicht genießen, da ich noch einen RIESEN Stein auf dem Herzen hatte. Ich musste ihm irgendwie mitteilen, dass ich MS habe. Nein nicht um gesondert behandelt zu werden, sondern, weil ich eben wusste, dass ich vor allem Schwierigkeiten mit meinen Füssen habe. Mit langem stehen. Mit viel am Stück laufen.

Da es aber in die Hotellerie viel Stehen gestanden wird oder eben auch viel gelaufen, musste ich meinem zukünftigen Chef irgendwie nahebringen, dass ich nicht ganz Gesund bin. Mir wurde von der Familie gesagt, ich solle es nicht machen, sondern erstmal 1-2 Monate so arbeiten, ihm zeigen, dass ich es draufhabe und dann damit rausrücken.

So ging ich am nächsten Tag in den Europapark, wollte meine Seele baumeln lassen und vor allem mein Herz entscheiden lassen, wie das weitere Vorgehen ist. Hm, ich hatte so sehr Angst davor – wie, wann ich es ihm sagen soll, wird er genauso reagieren wie die meisten Chefs als ich sagte ich sei chronisch erkrankt – dass es mir an dem Tag mega schlecht ging. War verkrampft, hatte übelst Schwindel, Schmerzen ohne Ende. Ich hielt es leider nur bis 14 Uhr im Park aus/durch und bin nach Hause gefahren. In dem Wissen, dass die Stunde immer näherkam und ich meinem zukünftigen Chef sagen muss ich habe MS, wurde es mir schlechter und schlechter. Warum?

Bevor die Verträge fertiggemacht werden, musste ich ihm beichten was los ist, damit er sich dann entscheiden ob er es mit mir versucht oder eben nicht. Ihm die Möglichkeit bieten, entscheiden zu können ob er dieses Risiko eingeht, eben weil ich eventuell von einem Schub heimgesucht werden könnte. Zumal er für mich die gesamten Studiengebühren übernehmen sollte. Ja die Studiengebühren für die gesamten 3 Jahre. Jetzt könnt ihr euch vorstellen wie schlecht es mir ging, allein bei dem Gedanken „Claudia, was ist, wenn es nicht klappt?“, „Was passiert, wenn er dich wieder wie die letzten Chefs wegen deiner MS dich fertigmachen?“

Am Mittwochabend schrieb ich ihm dann die E-Mail in der ich mitteilte, dass ich an MS erkrankt sei. Mit welchen Einschränkungen ich zu kämpfen hätte und dass ich es verstehen würde, wenn ihm das Risiko zu groß ist, vor allem weil ich ihn knapp 600,- € im Monat kosten würde. Doch ich will es unbedingt machen. Will endlich auf mein Herz hören im Leben. Darauf hören was meine Berufung ist. Informatik war es definitiv nicht. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Möglichkeit damals hatte dieses Studium machen zu können, damit ich nicht abgeschoben werde, doch das war es nie was ich wirklich machen wollte.

Die E-Mail ist draußen. Nun heißt es zittern, Angst haben, hoffen, dass der Traum nicht schon zerplatzt bevor es überhaupt begonnen hat. Und dann der Donnerstagmorgen. Telefon klingelt. Er war es. wow dachte ich, das ging jetzt aber flott. Er meinte zu mir „Claudia, ich habe angerufen, weil ich deine E-Mail mit Sorgfalt durchgelesen habe. Ich möchte dir Zusagen. Du brauchst dir kein Kopf machen, es ist alles gut!“

SOOOO, nun konnte ich meine Tränen nicht mehr kontrollieren und bin „zusammengebrochen“ vor Freude. Der erste Chef, der sich danach entschied wie ich im Bewerbungsgespräch rübergekommen bin, wie ich mich präsentiert hatte. Er ist der erste Chef, der sich von meiner Erkrankung nicht irritieren lässt oder meint es sei ihm zu doof. Mein Traum rückt nun ein großes Stück näher. Danke danke danke an den lieben Gott, dass es noch Menschen auf dieser Welt gibt die nicht nach Äußerlichkeiten urteilen.

Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass ich nun diese mega Chance habe neu anzufangen, das zu tun was mir liegt und vor allem, dass ich den Mut hatte auf mein Herz zu hören. Meinem Herzen zu folgen ohne mit jemanden darüber zu reden.

Die Entscheidung auf mein Herz zu hören hat mir gezeigt, wie wichtig es ist sich nicht von andere beeinflussen zu lassen. Sich nicht einreden lassen, man sei schlecht, man sollte nie aufs Herz hören in solchen Situationen, sondern nur auf seinen Verstand.

FALSCH!

Das was euer Herz/Bauchgefühl sagt, ist IMMER richtig. Lasst euch bitte nicht verunsichern.

Ich könnte gerade die ganze Welt umarmen. Montag beworben, Dienstag vorgestellt, Mittwoch mit der Wahrheit rausgerückt, dass ich MS habe und heute alle Verträge schon im Briefkasten gehabt. Ich bin soooooooo unendlich dankbar für diese Chance. Diese Chance endlich das machen zu können was mich glücklich macht.

Fühlt euch doll gedrückt und verzeiht mir wenn ich etwas am Durchdrehen bin, am vor Freude ausrasten.

Eure,

Claudia

 

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